Er will das Plündern des Planeten stoppen

Aargauer Zeitung, Michal Hunziker, 28.5.2019

Für die Grünen in den Nationalrat – Robert Obrist sagt, warum seine Wahlchancen von der SVP abhängen.

Er vertritt seine Meinung klar und konsequent, scheut sich nicht vor heissen Themen und markigen Worten. Gleichzeitig gilt er als kollegial und umgänglich. Ob in seiner Funktion als Fraktionspräsident der Grünen im Grossen Rat oder als Mitglied der Regionalkonferenz Jura Ost: Robert Obrist tritt stets engagiert und gut vorbereitet in Erscheinung, seriös, aber immer auch wieder mit einer wohltuenden Prise Humor. Einer breiteren Öffentlichkeit bekannt wurde er 2016, als er bei den Regierungsratswahlen – im ersten Wahlgang – antrat als Nachfolger von Susanne Hochuli.

Jetzt steigt Obrist, der sich einen Namen gemacht hat als Finanzpolitiker, ins Rennen bei den Nationalratswahlen im Herbst. Die heutige Zusammensetzung des Nationalrats eignet sich nicht, dringend benötigte Lösungen für zentrale Probleme zu finden, stellt der 61-jährige Schinznacher fest. «In der Klima- und Energiepolitik herrscht völliges Versagen. Ich setze mich ein für eine nachhaltige Wirtschaft, für eine solidarische Gesellschaft und den Schutz der Lebensgrundlagen.»

Er möchte Erfahrung einbringen

In der kommenden Legislatur werden wichtige agrarpolitische Volksinitiativen diskutiert und Entscheide gefällt, fährt Obrist fort. Sein beruflicher und politischer Leistungsausweis sowie seine Erfahrung und seine Hartnäckigkeit werden auch in Bern Früchte tragen, antwortet er auf die Frage, warum ihm die Stimmbürgerinnen und Stimmbürger die Stimme geben sollen. «Unsere direkte Demokratie muss gepflegt werden, ebenso Verantwortungsbewusstsein und Solidarität.»

Robert Obrist ist studierter Agronom. Seit 2000 ist er tätig am Forschungsinstitut für biologischen Landbau Frick (FiBL), leitet heute das Departement Beratung, Bildung und Kommunikation. Auf Anfang 2014 wurde er in den Grossen Rat gewählt. Er ist Mitglied der Kommission Aufgabenplanung und Finanzen. Lange habe er sich nicht vorstellen können, einer Partei beizutreten und über den Besuch der Gemeindeversammlungen hinaus politisch aktiv zu sein, führt er auf seiner Website aus. Die Wahl von Christoph Blocher in den Bundesrat aber habe ihn motiviert zum Beitritt zu den Grünen.

Von Tag zu Tag zuversichtlicher

Politisch aktiv sei er aus Verantwortungsbewusstsein gegenüber Mensch und Umwelt, hält der Vater einer erwachsenen Tochter fest. Denn: «Das Plündern und Vergiften unseres Planeten und seiner Bewohner muss gestoppt werden. Das sind wir uns selbst und den folgenden Generationen schuldig.» Apropos: Als Vorsitzender der Fachgruppe «Sozioökonomische/ökologische Wirkungsstudien» bei der Regionalkonferenz Jura Ost befasst er sich mit den Folgen eines künftigen Tiefenlagers für die radioaktiven Abfälle. «Wir Grünen haben seit jeher auf die Gefahren der Nutzung der Atomkraft aufmerksam gemacht», schreibt er auf seiner Website. «Die von dieser Technik verursachten Demokratiedefizite und die Lasten, welche wir kommenden Generationen überlassen, sind heute aktueller denn je.»

Als Hobby bezeichnet Obrist den Biorebbau. Ehrenamtlich engagiert er sich zudem im Förderverein Werkstatt Schenkenbergertal. Dieser setzt sich ein für eine nachhaltige Entwicklung des Schenkenbergertals, hat unter anderem die Instandstellungsarbeiten der Trockenmauern beim Schloss Kasteln initiiert, zeichnet verantwortlich für das Angebot «vom Korn zum Brot» für Schulklassen und Gruppen oder für die Betriebsbesichtigungen der Mittleren Mühle in Schinznach.

Seine Wahlchancen im Herbst, stellt Obrist fest, hängen davon ab, wie viele Sitze die SVP verlieren wird. «Immer mehr Menschen im Aargau erwarten zurecht, dass sich die Politik den drängenden Problemen annimmt, Lösungen erarbeitet und diese auch umsetzt», sagt der Schinznacher und ergänzt: «Meine Zuversicht steigt von Tag zu Tag.»

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